
Der Tag hat am 08.11.2025 im Schloss Ovelgönne in Präsenz mit ca. 70 Teilnehmenden stattgefunden.

Programm
Impuls 1: Rückblick und Ausblick: Wurzeln und Zukunft der Hospiz- und Palliativversorgung
(online zugeschaltet)
Unsere westlichen, alternden Gesellschaften haben demografisch bedingt eine immense Versorgungslücke zu bewältigen – quantitativ wie qualitativ: Es geht auch darum, Hospizkultur überall dorthin zu bringen, wo Menschen in ihrer letzten Lebensphase, schwerstkrank, sterbend sind. Das ist angesagt, ein Gebot der Gerechtigkeit, schließlich besteht allgemeiner Konsens, dass diese angemessen ist.
Besinnen wir uns auf unsere Wurzeln, können wir davon für die Zukunft profitieren, schließlich hat die Hospizbewegung, wie wohl keine andere Bewegung dieser Zeit, eine enorme Wirkkraft entfaltet und nicht weniger erreicht als einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Schwersterkrankten und Sterbenden!
Was es jetzt braucht, sind abermals solch visionäre Ambitionen, gepaart mit gelebter, alltagspraktischer Solidarität. Für beides steht das hospizliche Ehrenamt, für das wir lautstark werben und das wir weiterdenken sollten – indem wir etwa allen, die sich auch informell in Sorgeaufgaben einbringen, gezielten Support anbieten.
Dr. phil. Swantje Goebel, Soziologin, Vorständin der Einrichtungen des Hospiz Bergstraße in Bensheim/Südhessen (einem stationären Hospiz und einem Hospiz-Verein mit ambulanter Hospizbegleitung, Trauerbegleitung und Hospiz-Akademie). Seit 25 Jahren hospizaktiv, zunächst als Ehrenamtliche in der Sterbebegleitung, dann in Forschung und Lehre mit akademischen Arbeitsstationen in Münster, Freiburg, Mainz, Bremen und Berlin. Promoviert beim Kulturwissenschaftler Thomas Macho/Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Biographieanalyse zu hospizlichem Ehrenamt. Engagiert in der Deutschen Gesellschaft für Patientenwürde e.V.
Impuls 2: Regionale Palliativnetzwerke in Deutschland – Strukturen, Entwicklungen und Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Netzwerkarbeit
Hospizarbeit und Palliativversorgung sind durch die interprofessionelle Zusammenarbeit einer Vielzahl von Versorgungsakteuren wie niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Krankenhäusern, ambulanten Pflegediensten, Pflegeheimen, Hospizen, Apotheken und Seelsorgenden gekennzeichnet. Um diese Zusammenarbeit auf regionaler Ebene zu unterstützen können seit 2022 in jedem Landkreis regionale Hospiz- und Palliativnetzwerke durch die gesetzlichen Krankenkassen gefördert werden. In der HOPAN-Studie wurden diese Netzwerke bundesweit untersucht und empirische Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Netzwerkarbeit abgeleitet.
In diesem Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse der HOPAN-Studie mit einem Fokus auf den Mühlenkreis präsentiert.
Dr. Sven Schwabe ist Soziologe und Versorgungsforscher und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover. Er leitet die HOPAN-Studie und ist Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Ländervertretung Niedersachsen/Bremen.
Impuls 3: Versorgungsqualität in der ambulanten Palliativversorgung in Westfalen-Lippe
Diesen Fragen ist das Forschungsteam aus Bochum rund um das VESPAL-Projekt (Versorgungsqualität in der ambulanten Palliatuvversorgung von Westfalen-Lippe) nachgegangen. Die Forscherinnen begleiteten Konsiliardienste, führten Interviews mit Versorgenden, Patient*innen und Angehörigen und diskutierten die Ergebnisse in Forschungsgruppen. Die Ergebnisse geben spannende Einblicke in die Praxis und zeigen Faktoren auf, die zur hohen Qualität der Versorgung beitragen – und auch für anderen Regionen wegweisend sein können.
Anastasia Suslow, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Allgemeinmedizin an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie seit März 2020 an einer Vielzahl von Forschungsprojekten beteiligt ist. Mit ihrer fachlichen Expertise als Soziologin leistet sei einen wertvollen Beitrag zur Versorgungsforschung. Ihre Arbeit umfasst Themen wie Palliativversorgung, Impforganisation während der Covid-19-Pandemie sowie die Impfbereitschaft von Patient*innen mit Autoimmunerkrankungen. Zudem untersucht sie aktuell den Einsatz von Physician Assistants in der hausärztlichen Praxis.
Impuls 4: Die Kunst des Netzwerkens – Aufbau, Verstetigung und immerwährender Kreativprozess eines lebendigen und nachhaltigen regionalen hospizlich-palliativen Netzwerkes
Um eine Kunst zu erlernen, braucht es verschiedene Kompetenzen und Perspektiven und den Mut Ungeplantes und Unkontrollierbares als Teil eines lebendigen Kreativprozesses willkommen zu heißen und zu integrieren.
Aus der Vogelperspektive sind fachliche Kompetenzen der Netzwerkpartner:innen so zentral, wie die „soft skills“ (Vertrauen, Empathie, wertschätzende Kommunikation etc.) eines konstruktiven und und gut funktionierenden Netzwerkes.
Wie können wir die Selbstwirksamkeit und die Schwarmintelligenz eines Netzwerkes förden, stärken und unterstützen? Wie können die verschiedenen Wesensglieder eines Netzwerkes zu einem lebendigen und nachhaltigen Zusammenspiel geführt werden? Wie begegnen wir Chaos oder sich entgegengesetzte Kräfte, die einer gemeinsamen Ausstrahlung entgegenwirken? Die Kunst des Netzwerken wird praxisnah und mit den verschiedenen Phasen eines kooperierenden Netzwerkes in meinem Vortrag anschaulich vermittelt. Am Ende geht es um die Fragen: Was haben wir jetzt schon in unserer Region, wo wollen wir hin und was bedeutet gutes Leben bis zum Schluss für die Menschen, die wir mit ihren An- und Zugehören bis zum Ende begleiten?
Veronika Schönhofer-Nellessen, Geschäftsführerin des Palliativen Netzwerks für die Region Aachen und Leiterin einer vom Land NRW zertifizierten gemeinwohlorientierten Weiterbildungseinrichtung für berufliche Erwachsenenbildung, das Bildungswerk Aachen.
Website des Palliativen Netzwerkes: https://www.palliatives-netzwerk-region-aachen.de/
Website des Bildungswerk Aachen: https://www.bildungswerkaachen.de/
Am Nachmittag gab es einen Austausch in Kleingruppen zu den folgenden Fragen:
- Welche Anregungen können wir aus den Impulsvorträgen bzw. aus anderen Regionen mitnehmen?
- Was brauchen wir, um auch weiterhin gut und sicher versorgen zu können? Welche Themen liegen oben auf? Wie kann die Netzwerk Koordination dabei unterstützen?
Ergebnisse aus den Kleingruppen:



Zum Ende des Fachtages gab es nach 11 Jahren die Staffelstabübergabe der bisherigen Netzwerk Koordinatorin, Daniela Möller-Peck, an die neue Netzwerk Koordinatorin Carmela Vitiello.
Und hier noch ein paar Impressionen des Tages, der wieder im Schloss Ovelgönne in Bad Oeynhausen stattgefunden hat:




























































